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Informationen aus Landesverband (NFS) und dem Regionalverband (NFO)

von Xaver Hutter (Bearbeitet: 10.4.04, 10.5.04, 18.6.04. 21.10.04, 22.12.04)

Unsichere Zukunft nach 100 Jahren Naturfreunden!
Aufgrund verschiedene Handlungen, Reaktionen, Äußerungen von Funktionären des Landesverbandes sieht für mich die Zukunft der Naturfreunde recht düster aus.
Kann man noch ernsthaft hinter einem Verband stehen, der nur noch ein bisschen administriert,  alle Probleme schön redet oder unter den Tisch wischt, schöne teure Werbebotschaften verschickt aber deren Botschaft selbst nicht lebt?

Bergsportverband St. Gallen-Appenzell
Am 3. Dezember 2004 fand die Gründungsversammlung des neuen Bergsportverbandes St. Gallen-Appenzell statt. Wegen weiterhin vorhandenem Misstrauen, aber auch wegen strukturellen Probleme vieler Sektionen wird der Verband nur 3 kleinere Sektionen und einigen wenigen Aktiven getragen. Damit der Verband länger als der Regionalverband überlebt muss die aktive Basis verbreitert werden. Ebenfass müssen die Finanzen besser im Griff sein.
Positiv ist jedoch, dass Leiter wie Bergsportteilnehmer sich durchaus engagieren, sofern diese vernünftige Strukturen vorfinden.

Nachfolgeorganisation NF Regionalverband Ostschweiz
Rund 4 Monate nach dem Beschluss zur Auflösung Regionalverband scheint es so, dass die Sektionen verschiedene Wege  gehen:
- Thurgauer Sektionen gründen einen neune Kantonalverband mit Minimal-Programm
- St. Galler Sektionen verzichten auf neuen Verband und bleiben vorerst nur in losem und
  freiwilligen Kontakt untereinander.
- Ruedi Angehrn (Sektion Appenzell) gründet neuen Bergsportverband St. Gallen/Appenzell,
  es macht aber aber bestenfalls eine kleine Minderheit St. Galler mit.

Auflösung Regionalverband an ausserordentlichen DV in Arbon 17. Juni 2004
Da an letzter ordentlichen DV der Vorstand RV nicht mehr besetzt werden konnte, hat sich eine Arbeitsgruppe intensiv um eine Lösung bemüht und zu einer ausserordentlichen DV eingeladen.
Da das Obligationenrecht zwingend einen Vereinsvorstand vorschreibt und trotz intensiver Suche bestenfalls drei Personen zur Mithilfe gewonnen werden konnten, war die Verbandsauflösung nicht mehr aufzuhalten


An der ausserordentlichen Delegiertenversammlung wurde die Auflösung des Regionalverbandes auf Ende 2004 mit der notwendigen Zweidrittelmehrheit der 40 Delegierten beschlossen.
Es war schlicht nicht möglich einen handlungsfähigen Vorstand zu bestellen.
Da sich zudem Ruedi Angehrn mit seinem Vorgehen im Kurswesen von der Basis ziemlich abgekoppelt hat, kam selbst aus Sektionen mit aktiven Bergsportgruppen kaum noch Unterstützung für den Regionalverband.
Die Verbandsführung und Umsetzung des Beschlusses liegt nun in Händen von Sachwaltern (Heidi Meier, Peter Schär und Xaver Hutter)

Bis Ende Jahr werden Kurse und Touren gemäss Programm weiter geführt
Jugendprogramm könnte nächstes Jahr in anderer Form eine Fortsetzung finden: Die Sektion Appenzell mit Ruedi Angehrn plant neu einen Naturfreundesportverband zu gründen

Anstelle von RV tritt nun ein loser Verbund Ostschweizer Sektionen, in welchem Kontakte untereinander gepflegt werden und Anlässe wie z.B. Auffahrtstreffen etc. weiter organisiert werden.
Sieht man vom Verlust Kurswesen (mit den Sporttoto-Subventionen) ab, ist diese informelle Verbindung zeitgemässer als eine starre Verbandsstruktur. Wie Auffahrtstreffen, Versammlungen, Anlässe etc. zeigen ist die Kommunikation unter Sektionen auch recht gut.
Tipp: Schaut auch was andere Sektionen machen, geht mal zu einem Anlass - meine Erfahrung zeigt: wir sind bei den meisten herzlichst willkommen

Delegiertenversammlung Regionalverband in Arbon 26. März 04
Nach Rücktritt des gesamten Vorstandes konnte dieser nicht neu besetzt werden.  Hauptgrund für diese Situation ist die Uneinigkeit über die Art der Finanzierung des Kurswesens. Jedoch verlief Versammlung recht sachlich und es besteht gute Hoffnung, dass eine Lösung für die Probleme gefunden wird. Jedoch ist es nicht einfach genügend engagierte Leute für den Vorstand zu finden.

Delegiertenversammlung Landesverband in Hombrechtikon 8. Mai 04
Die Versammlung verlief trotz einiger schwieriger Entscheide in ruhigen Bahnen. Nebst üblichen Traktanden wie Berichte, Finanzen und Wahlen wurde der Verkauf Aktien Naturfreunde Reisen und die Auflösung Solifond beschlossen. Weiter wurde über das bevorstehende 100 Jahr Jubiläum informiert. Für das Hotel in Zermatt scheine ein Konkurs unausweichlich, da bis zur Stunde kein tragfähiges Sanierungskonzept vorliege.

Nachtrag: Ende Mai Naturfreundehotel Zermatt Konkurs angemeldet (Verlust für NFS ca. 1 Mio. Fr )
               NFS wäre damit auch dem Konkurs nahe, wenn nicht Solifond Schulden erlassen würde!
               Der Verstand NFS hat am Niedergang Zermatt genau soviel 'Schuld' wie Vorgänger - er hat als
               Eigentümervertreter über ein Jahr einfach zugeschaut und Schuldzuweisungen gemacht.             

Naturfreunde wohin ?
Die Naturfreundebewegung in der Schweiz hat einige schwierige Jahre hinter sich. Und die Zukunft wird sicher auch nicht ganz einfach.
Die zwei Hauptprobleme sind:
 - Nachwuchsprobleme - insbesondere ist es auch schwierig alle Ämter mit kompetenten
   Leuten zu besetzten.
-  Uneinigkeit über Vorgehen in verschiedenen Bereichen - vor allem auch wie die inzwischen
   knappen finanziellen Mittel eingesetzt werden sollen.

Die Aufteilung der Aufgaben zwischen Sektion - Regionalverband und Landesverband ist auch nicht immer einfach - es gibt starke Sektionen die gut ohne Verbände leben können, aber viele Sektionen brauchen die in vielen Bereichen Unterstützung.

Dies veranlasst mich ein paar Gedanken über die Funktion der Sektionen und Verbände zu machen.

Ich sehe für Naturfreunde  folgende Ziele:

  1. Touren- und Kurswesen, sinnvolle Freizeitbeschäftigung
  2. Häuserwesen - Naturfreundehäuser
  3. Natur und Umwelt, Kulturlandschaft

Die Aufgaben des Landesverbandes NFS sehe ich in:

  1. Unterstützung der Sektionen in den 3 oben definierten Ziele, als auch Durchführung von überregionalen Projekten.
  2. Dienstleistungen für Vereine, Zeitschrift
  3. Verbandswesen, Zusammenarbeit mit anderen Verbänden national/international
  4. Nichtkernaktivitäten, wie Naturfreundehotel, Reisebüro etc.
    (möglichst zu reduzieren)

Der Landesverband kann und soll grössere überregionale Projekte anfassen - Kulturweg Alpen oder Landschaft des Jahres sind solche Projekte. Nationale Werbung, Ausbildung von Leitern und Vorständen gehört auch zum Aufgabenkreis des Landesverbandes.

Für den  Regionalverband NFO sehe ich folgende Funktionen:

  1. Plattform für Zusammenarbeit regionale Vereine 
  2. Ergänzen der Angebote der Sektionen
    wo Sektionen wegen technischen Gründen (Leiter, Ausbildung), zu kleine Teilnehmerzahlen, Kostengründen, etc. diese selbst kaum anbieten können.
  3. Ergänzen der Dienstleistungen Landesverband 
    wo NFS aus finanziellen, politischen, geographischen, etc. Gründen solche nicht oder nur ungenügend wahrnimmt.

Aktivitäten für Kinder und Jugend, aber auch Basiskurse für Erwachsene werden von Sektionen nur ungenügend angeboten - und hier springt der Regionalverband ein. Kinderbergsteigen, Jugend und Sportaktivitäten und Erwachsenenkurse sind solche sinnvolle regionale Angebote.
(Ausnahme Skischule wird von Sektionen St. Gallen und Rorschach angeboten).
Auch das Durchführen von weiterführenden Kursen (z.B. für Leiter) macht im NFO Sinn, damit die Sektionen nicht vollständig von NFS abhängig werden.

Nachtrag: Mit Auflösung NFO fallen Ergänzungen Angebote Sektionen (2.) und Ergänzungen zu NFS (3.) völlig dahin. Daher sind die Sektionen gefordert mehr selber zu machen - und Vereinsmitglieder nutzen auch vermehrt die Angebote/Kurse anderer Sektionen.
Positiv zu vermerken ist jedoch, dass nahe an der Basis organisierte Angebote auch viel weniger Personalprobleme haben als in einer Laienorganisation weit weg von der Basis (wie der NFO eine war)

Das Naturfreundegedankengut wird in den Sektionen gelebt. Sie sind die Besitzer der Naturfreundehäuser und müssen diese ohne grosse Verbandshilfe selbst durchbringen. Sie organisieren Touren und gesellige Anlässe. Nur mit einem attraktiven Programm, welches aber engagierte Leute braucht, können heute neue Mitglieder gewonnen werden.

Notizen zu einigen Themenkreisen

Bereich Natur und Umwelt, Kulturlandschaft
Da das Engagement in diesem Bereich teilweise politisch ist, gibt es in diesem Bereich immer wieder Meinungsverschiedenheiten. Manchmal werden aus dieser Optik sogar eigene Aktivitäten im Tourenwesen bekämpft. Da die finanziellen Ressourcen sehr begrenzt sind und Naturschutz durch andere Verbände abgedeckt wird, sollten sich Naturfreunde eher auf den Bereich Pflege Kulturlandschaft - dem vom Menschen geschaffenen Lebensraum widmen. Dabei darf nicht vergessen werden, dass der Mensch auch in der Vergangenheit seine Umgebung immer wieder verändert hat.

Naturfreundehotels
Mit ehemals 3 Hotels (Wergenstein, Wildhaus, Zermatt) hinterlassen verschiedene den Naturfreunde angeschlossene Organisationen Schulden von mehreren Millionen Franken, die von Gläubigern und auch von NFS getragen werden müssen. 
Da es auch andere Hotels auf privater oder genossenschaftlicher Basis mit ähnlicher Zielsetzung existieren, besteht nach Meinung auch nicht die Notwendigkeit zur Führung eigener Hotels.

Kurswesen
Das Kurswesen wird heute stark via Sport-Toto und Jugend und Sport Gelder mitgetragen. Wie weit die Vereine das Kurswesen mitfinanzieren sollen ist umstritten. Da Wandern heute dank der Mobilität fast zu 100% eine private Beschäftigung geworden ist, ist nach meiner Meinung eine Investition in der Ausbildung in anderen Aktivitäten ein Muss für eine Zukunft der Naturfreunde.
Ein Spannungsfeld ist manchmal auch die Konkurrenz zu professionellen Anbietern von Outdoor- Aktivitäten. Ich gehe aber davon aus, dass mancher welcher den Einstieg über die Naturfreunde gefunden hat auch Kunde von solchen Anbietern wird.

Verwendung Mitgliederbeiträge Sektion Rheintal
Im Schnitt zahlt ein Mitglied ca. 40.- pro Jahr (Einzelbeitrag 65.-, Beitrag ganze Familie 95.-)
davon gehen 28.- an NFS (70%), 2.40 an NFO (6%), 1.60 an Inkassospesen (4%), und Fr. 8.- an Sektion NFR (20%).
NFS hat ca. 23'000 Mitglieder, NFO ca. 2'500 und Sektion NFR ca. 80

Mit dem Anteil Sektion kann nur rund ein Drittel allgemeinen Vereinsausgaben gedeckt werden (Rest - als auch Beiträge an Kurse - werden mit sehr viel Fronarbeit Hütte erwirtschaftet)

Der Anteil NFO reicht für Grundaktivitäten Verband, nicht aber für gute Werbung (z.B. OFFA) oder Beiträge für Kurse, Jugend, etc. Die heutigen vielen Angebote (mit ca. 100'000.- Umsatz) sind nur dank  Beträgen aus Jugend&Sport und Sport-Toto in dieser Art möglich.

Vom durchschnittlichen Beitrag an NFS von 28.- wird etwa 24.- für Infrastruktur, Vorstand, DV und Geschäftsstelle gebraucht. Der Rest wird für NFI und Zeitschrift benötigt.
Die restlichen Ausgaben - für die eigentlichen Kerngebiete Naturfreunde - sind bescheiden, oder werden fast vollständig von Dritten subventioniert (Bundesamt für Sport, Buwal, Helsana, ...)

 

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